Unterwegs… zum Steinkistengrab

Steinkistengrab
Wenn mich jemand fragen würde, was die ältesten Bauwerke der Menschheit sind, würde ich spontan an die Pyramiden denken. Wahnsinn, was die Menschen damals dort geschaffen haben. Ganz ohne Maschinen, mit einfachen, primitiven Mitteln. Und nach geschätzen 4000 Jahren stehen die Pyramiden immer noch. Viele Touristen fahren nach Ägypten, nur um die alten Bauwerke zu bewundern. Und ich? Auf meiner persönlichen “1000 places to see befor I die” Liste kommen unzählige andere Orte, bevor ich jemals auf die Idee kommen werde, nach Ägypten zu reisen. Das liegt vor allem an ein paar ganz persönlichen und – nun ja – sagen wir mal sehr intensiven Erfahrungen während unserer Reise nach Tunesien vor einigen Jahren… vor allem in Bezug auf Montezumas Rache…

OK. Ägypten ist nicht Tunesien – aber die grobe Richtung stimmt und die Welt ist so groß und so wunderschön – ich schaue mir lieber erst mal noch ein paar andere schöne Plätze an. Und wenn ich mal ein Bauwerk sehen möchte, das sogar noch älter als die Pyramiden sein soll, muss ich überhaupt nicht weit reisen. Ich bleibe im Westerwald und fahre einfach nach Hadamar – Niederzeuzheim. Denn dort gibt es ein Grabmal, das noch ein paar Jährchen älter ist!

Zugegeben – das dortige Steinkistengrab ist nicht ganz so spektakulär und gigantomanisch wie die Pyramiden… Aaaaaaaber: Es ist definitiv älter und befindet sich fast vor unserer Haustür.


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Der Weg dorthin ist relativ einfach zu finden. Wenn man aus Niederzeuzheim kommend, Richtung Frickhofen fährt, befindet sich kurz hinter dem Sportplatz ein Hinweisschild, das rechts in den Wald führt. Der geschotterte Waldweg lässt sich mit dem Auto gut befahren. Und nach einigen Metern ist bei der Grillhütte dann auch ein Parkplatz auf dem man das Auto gut stehen lassen kann. Ab hier dann einfach den Hinweisschildern weiter folgen. Die meisten Hinweisschilder sind gut sichtbar angebracht, nur eines ist etwas versteckt.
Hinweisschild Steinkistengrab Niederzeuzheim
Nach einem ca. 15 minütigen Spaziergang durch den schönenen Laubwald ist das Steinkistengrab dann schnell erreicht.

Den Hinweisschildern kann man entnehmen, dass das Steinkistengrab der ausgehenden Jungsteinzeit (3.500 bis 2.800 v.Chr.) angehört und auch als Galeriegrab bezeichnet wird. Die jetzt noch zu sehenden, aufrecht stehenden Steinplatten wurden seinerzeit mit großen Deckplatten bedeckt,so dass eine Art Grabkammer entstand. Die Lücken zwischen den Steinen verfüllte man ebenfalls. Die so entstandene Kammer bedeckte man mit einem Hügel. Die längste bislang gefundene Kammer dieser Art befindet sich übrigens in Nordhessen, die Größen der gefundenen Galeriegräber schwanken zwischen 6 und 19 Metern Länge. Also fast so groß wie die Pyramiden ;-)

In dieser Kammer bestatteten die Steinzeitmenschen von Niederzeuzheim dann ihre Verstorbenen. Ab 1911 wurden hier auch archeologische Untersuchungen durchgeführt und dokumentiert. Man fand in diesem Steinkistengrab einige Knochen von 25 Verstorbenen, außerdem drei Steinbeile und einige Fundstücke aus späteren Grabstörungen. Im Jahr 2004 wurden diverse Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt und das Steinkistengrab wurde, soweit möglich, in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.

 

 

Boxer-II

Also, falls ihr auch den Flieger nach Ägypten verpasst habt, fahrt einfach ins hessische Niederzeuzheim ;-)

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